Bava Kamma 20

Kapitel 20

א אי דבלאו איהו לא אזלא פשיטא אלא דבלאו איהו אזלא מאי קא עביד
1 würde [das Feuer] ohne ihn sich nicht ausgedehnt haben, so ist es ja selbstverständlich, und würde es sich auch ohne ihn ausgedehnt haben, so hat er ja nichts getan!?
ב מתקיף לה רב פפא והא איכא הא דתניא ה' שישבו על ספסל אחד ולא שברוהו ובא אחד וישב עליו ושברו האחרון חייב ואמר רב פפא כגון פפא בר אבא
2 R. Papa wandle ein: Es gibt ja noch den Fall der folgenden Lehre!? Wenn fünf [Personen] auf einer Bank sitzen, ohne sie zu zerbrechen, und jemand kommt, sich auf diese setzt und sie zerbricht, so ist dieser ersatzpflichtig. R. Papa bemerkte: Wie beispielsweise Papa b. Abba. —
ג היכי דמי אילימא דבלאו איהו לא איתבר פשיטא אלא דבלאו איהו נמי איתבר מאי קעביד
3 In welchem Falle: wollte man sagen, wenn sie ohne ihn nicht zerbrochen wäre, so ist es ja selbstverständlich, und wenn sie auch ohne ihn zerbrochen wäre, so hat er ja nichts getan!? —
ד סוף סוף מתניתא היכא מתרצא
4 Wie ist also diese Lehre zu erklären? —
ה לא צריכא דבלאו איהו הוי מיתבר בתרי שעי והשתא איתבר בחדא שעה דאמרי ליה אי לאו את הוי יתבינן טפי פורתא וקיימין
5 In dem Falle, wenn sie ohne ihn in zwei Stunden zerbrochen wäre, und nun in einer Stunde zerbrochen ist. Jene können zu ihm sagen: wenn nicht du, würden wir noch ein wenig gesessen haben und aufgestanden sein. —
ו ולימא להו אי לאו אתון בדידי לא הוה מיתבר
6 Sollte er doch zu ihnen sagen: würdet ihr nicht mit mir gesessen haben, würde sie nicht zerbrochen sein!? —
ז לא צריכא דבהדי דסמיך בהו תבר
7 In dem Falle, wenn sie zerbrach als er sich auf sie stützte. —
ח פשיטא
8 Selbstverständlich!? —
ט מהו דתימא כחו לאו כגופו דמי קמ"ל דכחו כגופו דמי דכל היכא דגופו תבר כחו נמי תבר
9 Man könnte glauben, die Kraft gleiche nicht dem Körper, so lehrt er uns, daß die Kraft dem Körper selbst gleiche. Wer etwas mit seinem Körper zerbricht, tut dies mit seiner Kraft. —
י ותו ליכא והא איכא הא דתניא הכוהו עשרה בני אדם בעשר מקלות בין בבת אחת בין בזה אחר זה ומת כולן פטורין רבי יהודה בן בתירא אומר בזה אחר זה האחרון חייב מפני שקירב את מיתתו
10 Gibt es denn weiter nichts mehr, es gibt ja noch den Fall der folgenden Lehre: Wenn zehn Personen einen mit zehn Stöcken geschlagen haben, einerlei ob mit einem Male oder nach einander, und er gestorben ist, so sind sie alle frei; R. Jehuda b. Bethera sagt, wenn nach einander, sei der letzte schuldig, weil er seinen Tod beschleunigt hat. —
יא בקטלא לא קמיירי
11 Von der Todesstrafe spricht er nicht.
יב ואיבעית אימא בפלוגתא לא קמיירי ולא והא אוקימנן דלא כרבי דלא כר' וכרבנן מוקמינן כר' יהודה בן בתירא ולא כרבנן לא מוקמינן
12 Wenn du aber willst, sage ich: von Fällen, über die ein Streit besteht, spricht er nicht. — Etwa nicht, wir sagten ja, hier sei nicht die Ansicht Rabbis vertreten!? — Wir addizieren eine Lehre gegen die Ansicht Rabbis den Rabbanan, nicht aber addizieren wir eine solche R. Jehuda b. Bethera gegen die Ansicht der Rabbanan.
יג חבתי בתשלומי נזקו חבתי בנזקו לא קתני אלא בתשלומי נזקו
13 S<small>O BIN ICH EBENSO ERSATZPFLICHTIG</small>. Es heißt nicht: für den Schaden verantwortlich, sondern: ersatzpflichtig,
יד תנינא להא דתנו רבנן תשלומי נזק מלמד שהבעלים מטפלין בנבילה
14 somit lehrt hier die Mišna dasselbe, was die Rabbanan gelehrt haben: Ersatz des Schadens, dies lehrt, daß der Eigentümer sich mit dem Aase zu befassen habe. —
טו מנא הני מילי אמר ר' אמי דאמר קרא (ויקרא כד, יח) מכה נפש בהמה ישלמנה אל תקרי ישלמנה אלא ישלימנה
15 Woher dies? R. Ami erwiderte: Die Schrift sagt:<i>wer ein Tier erschlägt, muß es bezahlen</i>, und man lese nicht <i>ješalmena [bezahlen]</i>, sondern <i>jašlimena [ergänzen]</i>.
טז רב כהנא אמר מהכא (שמות כב, יב) אם טרף יטרף יביאהו עד הטרפה לא ישלם עד טרפה ישלם טרפה עצמה לא ישלם
16 R. Kahana sagte: Hieraus:<i>wenn es zerrissen wird, so bringe er Zeugen [e͑d], für das Zerrissene braucht er nicht zu bezahlen</i>; bis [a͑d] zum Werte des Zerrissenen muß er bezahlen, das Zerrissene selbst braucht er nicht zu bezahlen.
יז חזקיה אמר מהכא (שמות כא, לד) והמת יהיה לו לניזק
17 Ḥizqija sagte: Hieraus:<i>das tote [Tier] soll ihm gehören</i>, dem Geschädigten.
יח וכן תנא דבי חזקיה והמת יהיה לו לניזק אתה אומר לניזק או אינו אלא למזיק אמרת לא כך היה
18 Ebenso wurde in der Schule Ḥizqijas gelehrt: <i>Das tote [Tier] soll ihm gehören</i>, dem Geschädigten, Du sagst dem Geschädigten, vielleicht ist dem nicht so, sondern dem Schädiger!? Ich will dir sagen, dem wäre ja auch so. —
יט מאי לא כך היה
19 Was heißt: dem wäre auch so?
כ אמר אביי אי ס"ד נבילה דמזיק הויא ליכתוב רחמנא שור תחת השור ולישתוק והמת יהיה לו למה לי ש"מ לניזק
20 Abajje erwiderte: Wenn man sagen wollte, das Aas dem Schädiger, so sollte doch der Allbarmherzige geschrieben haben:<i>Ochs für Ochs</i>, und nichts weiter, wenn es aber heißt: <i>und das tote soll ihm gehören</i>, so heißt dies: dem Geschädigten.
כא וצריכא דאי כתב רחמנא מכה בהמה ישלמנה משום דלא שכיחא אבל טרפה דשכיחא אימא לא צריכא
21 Und sie alle sind nötig. Würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben: <i>wer ein Tier erschlägt, muß es bezahlen</i>, [so könnte man glauben,] weil dies selten ist, nicht aber gilt dies beim Zerrissenen, das öfter vorkommt; daher ist dies nötig.
כב ואי אשמועינן טרפה משום דממילא אבל מכה בהמה דבידים אימא לא
22 Würde er uns dies nur vom Zerrissenen gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil es ohne sein Zutun erfolgt ist, nicht aber, wenn man ein Tier mit den Händen erschlägt.
כג ואי אשמועינן הני תרתי הא משום דלא שכיחא והא משום דממילא אבל והמת יהיה לו דשכיחא ובידים אימא לא
23 Würde er nur diese beiden Fälle gelehrt haben, [so könnte man glauben,] in dem einen Falle, weil es selten ist, und in dem anderen Falle, weil es ohne sein Zutun erfolgt ist, nicht aber in dem Falle, von dem es heißt, das tote gehöre ihm, der öfter vorkommt und wobei es [gleichsam] mit den Händen erfolgt.
כד ואי אשמועינן המת יהיה לו משום דממונא קא מזיק אבל הכא דבגופא מזיק אימא לא צריכא
24 Und würde er nur den Fall gelehrt haben, von dem es heißt, das tote gehöre ihm, so könnte man glauben, weil sein Eigentum den Schaden angerichtet hat, nicht aber in dem Falle, wenn er persönlich den Schaden anrichtet. Daher sind alle nötig.
כה א"ל רב כהנא לרב אלא טעמא דכתב רחמנא והמת יהיה לו הא לאו הכי הוה אמינא נבילה דמזיק הויא
25 R. Kahana sprach zu Rabh: Nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: <i>das tote soll ihm gehören</i>, sonst aber würde man geglaubt haben, der Schädiger müsse das Aas behalten:
כו השתא אי אית ליה לדידיה כמה טריפות יהיב ליה דאמר מר (שמות כא, לד) ישיב לרבות שוה כסף ואפילו סובין דידיה מבעיא
26 wenn er sogar viele Äser in Zahlung geben kann, denn der Meister sagte: <i>soll er ersetzen</i>, dies schließe alles ein, was Geld wert ist, selbst Kleie, um wieviel mehr seines!? —
כז לא נצרכא אלא לפחת נבילה
27 Dies ist wegen der Wertminderung des Aases nötig.
כח לימא פחת נבילה תנאי היא דתניא אם טרף יטרף יביאהו עד
28 Es wäre anzunehmen, daß über die Wertminderung des Aases Tannaím streiten, denn es wird gelehrt:<i>Wenn es zerrissen wird, so bringe er Zeugen</i>